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Simona Meiler erweitert die Erforschung von Klimarisiken

Prix Schläfli 2025 in Geowissenschaften: Ihre Snowboardkarriere hat sie mit den Olympischen Spielen 2018 beendet. Jetzt widmet sie sich mit der gleichen Ausdauer der Wissenschaft. Für ihre Forschung zu tropischen Wirbelstürmen wird Simona Meiler mit dem Prix Schläfli in Geowissenschaften der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz ausgezeichnet.

Simona Meiler, Prix Schläfli 2025
Simona Meiler, Prix Schläfli 2025
Simona Meiler, Prix Schläfli 2025Bild: Anastasia Karpenko
Bild: Anastasia Karpenko

Astrid Tomczak-Plewka

Mit 16 Jahren bestritt sie ihr erstes Weltcuprennen im Snowboardcross in Saas-Fee. Knapp 20 Jahre später sitzt sie in einem Büro an der Stanford Universität in Nordkalifornien, wo sie seit letztem August zu Klima- und Wetterrisiken forscht. Als sie 2005 im Weltcup debütierte, drückte die Flimserin noch die Schulbank an der Kantonsschule Chur. Und als sie 2018 ihre Profikarriere beendete, war sie mitten im Masterstudium. Schon nur diese Eckdaten zeigen: Simona Meiler muss zielstrebig sein. «Ich will Grenzen ausloten und meine Neugier stillen», sagt sie. «Und ich bin intrinsisch motiviert.» Ihr Elternhaus hat ihre Interessen wohl geprägt: Ihr Vater war selbständiger Unternehmer im Bereich nachhaltiges Bauen, ihre Mutter Lehrerin und Heilpädagogin.

Umweltbewusstsein wurde im Hause Meiler gross geschrieben. «Wir haben schon in den 1990er Jahren Gemüse beim Biobauern gekauft, als das noch kein Trend war», erinnert sich die 35-Jährige. Zwar setzte sie schon früh aufs Snowboarden, doch auch ihr Intellekt suchte ständig Nahrung. Physik, Philosophie, Sprachen: «Ich hätte mir vieles als Studium vorstellen können», sagt sie. Sie entschied sich für Umweltnaturwissenschaften. «Der Studiengang bringt vieles zusammen und ist darauf ausgelegt, zwischen den Disziplinen zu vermitteln. Das hat mich fasziniert.»

Risiken von Tropenstürmen besser erfassen

In ihrer Dissertation an der ETH Zürich hat sie sich mit den Risiken von tropischen Wirbelstürmen beschäftigt. Die dadurch verursachten Zerstörungen dürften künftig zunehmen. Voraussagen über das Ausmass dieser Zerstörungsrisiken sind jedoch mit vielen Unsicherheiten verbunden. Meiler hat nun verschiedene Klima- und Tropensturmmodelle, Szenarien für den Treibhausgasausstoss, sowie Annahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Verletzlichkeit von Gesellschaften kombiniert, um die Faktoren zu definieren, welche diese Risiken künftig beeinflussen. Die wichtigsten Ergebnisse: Nicht nur stärkere Stürme erhöhen das Risiko. Auch Bevölkerungswachstum, zunehmende Bautätigkeit in gefährdeten Küstenregionen und unzureichende Schutzmassnahmen tragen dazu bei.

«Ein beispielloses Verständnis von Unsicherheiten»

Je nach Tropensturmmodell unterscheiden sich die Risikoabschätzungen deutlich. Diese Modellwahl ist denn auch eine grosse Quelle der Unsicherheit in den Berechnungen. Das Wissen über Unsicherheiten spielt eine wichtige Rolle für Prognosen: Wer die Unsicherheiten und Einflussfaktoren gut kennt, kann bessere Entscheidungen treffen – zum Beispiel für den Küstenschutz oder die Stadtplanung. Simona Meilers Doktorvater David N. Bresch betont: Ihre Arbeit biete eine «weltweit konsistente Quantifizierung zukünftiger Klimarisiken» sowie «ein beispielloses Verständnis von Unsicherheiten» im Modellierungsprozess. Dafür wird Simona Meiler nun mit dem Prix Schläfli in Geowissenschaften ausgezeichnet. «Ich freue mich sehr über den Preis. Forschung ist oft ein einsames Geschäft, die Belohnung kommt erst viel später.» Letzteres kennt sie gut aus ihrer Sportkarriere: «Das war eine gute Lebensschule», sagt sie. «Ich habe gelernt, mit längeren Zeithorizonten zu rechnen.» Ein Olympiazyklus dauert jeweils 4 Jahre – etwa so lange, wie auch die Arbeit an einer Dissertation.

Vorsichtig optimistisch

Mit ihrer Forschung will Simona Meiler nicht zuletzt einen Beitrag zur Gestaltung der Zukunft leisten. Diese Zukunft sieht in den Augen vieler junger Menschen nicht rosig aus. Packt sie angesichts der Daten und Fakten eine Art «no future»-Stimmung? «Manchmal weiss ich es echt nicht», sagt sie. Sie sei grundsätzlich ein optimistischer Mensch. «Aber eben auch realistisch.» Und doch hat sie Hoffnung. «Menschen können sich gut adaptieren», stellt sie fest und führt als Beispiel die Corona-Pandemie ins Feld. «Da wurden wir alle schnell in eine unvorstellbare Situation versetzt. Die Gesellschaft hat sich aber auch sehr schnell angepasst und kollektiv Massnahmen ergriffen, die wir uns vor der Pandemie nie hätten vorstellen können.»

Sport spielt in ihrem Alltag immer noch eine grosse Rolle – aber sie verfolgt keine sportlichen Ziele mehr. «Ich brauche die physische Leistung zum Ausgleich meiner mentalen Leistungen», sagt sie. So erkundet sie mit dem Mountainbike die Pazifikküste ihrer temporären Heimat oder powert sich beim Crossfit so richtig aus. Das Snowboard kommt eher selten zum Einsatz – die Wintersportgebiete sind zu weit weg und zu teuer. Noch bis August 2026 läuft ihr Postdoc in Stanford. Danach würde sie gerne in die Schweiz zurück gehen. «Mal schauen, ob es dort einen Platz für mich in der Forschung gibt.»

Dazu gehört

Prix Schläfli 2025

Prix Schläfli 2025 für die vier besten Dissertationen in den Naturwissenschaften

Simona Meiler (Geowissenschaften), Ewa Merz (Biologie), Martin Sarott (Physik) und Hyun Suk Wang (Chemie) werden für Erkenntnisse im Rahmen ihrer Dissertationen mit dem Prix Schläfli 2025 ausgezeichnet. Die Akademie der

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